Offenheitsindex
Soziokultureller Ort. Vor- und Nachteile unseres FabLabs
Das FabLab Chemnitz ist ein soziokultureller Ort. Das bedeutet viel - vorallem ist es ein Mix aus jung / alt / arbeitslos / selbstständig / ahnungslos / passioniert / faul / professionell / studentisch / mehrsprachig / unterschiedlich gesund / mehrgeschlechtlich / unterschiedliche Religionen / diverse politische Auffassungen / verschiedene körperliche und geistige Verfassungen.
Die Aufgabe für jeden einzelnen bei uns ist wohl heruntergebrochen: Finde den richtigen Umgang! Nicht jeder kann dein Freund werden. Aber niemand muss dein Feind werden.
Was sind Offene Werkstätten?
Wir sind eine offene Werkstatt. Und das heißt, dass wir offen sein wollen. Aber was heißt das überhaupt?
Offene Werkstätten sind Orte des Handwerks, der computergesteuerten Fertigungsverfahren und digitalen Technologien, die du mitgestalten und -nutzen kannst. Sie alle eint die Idee, Wissen, Werkzeuge und Maschinen, Technik und Materialien zu teilen. Finde eine Werkstatt in deiner Nähe oder werde Mitglied im Verbund Offener Werkstätten! - Zitat von https://offene-werkstaetten.org/de
Orientierung am Offenheitsindex des VOW
Wir nutzen zur "Bestimmung" unser Offenheit den Leitfaden vom Vebund Offener Werkstätten e.V. Unsere Reflexion zu den dort genannten Themen wurde zuletzt im April 2025 evaluiert und ist hier zu finden:
Willkommenskultur
Offen für neue Mitglieder.
- ✅ Besucher:innen werden herumgeführt und betreut.
- ✅ Es gibt einfache Einstiegsangebote.
- ⛔ Es gibt regelmäßige Einweisungen in Maschinen und Werkzeuge.
- ✅ Abläufe und Aufgaben sind gut dokumentiert und ermöglichen das Mitmachen auch für Neumitglieder.
- Sprachliche Hürden werden gering gehalten.
Beteiligung
Offen für ein Mitgestalten auf allen Ebenen.
- ✅ Mitglieder können die Institution gestalten und weiterentwickeln.
- ✅ Mitglieder können Strukturen und Bereiche aufbauen und gestalten.
- ✅ Mitglieder können Abläufe und Regeln beeinflussen und ändern.
- ✅ Mitglieder können ihr Wissen vermitteln und Einweisungen geben.
Zugang zur Infrastruktur
Offener Zugang zu den Möglichkeiten
- ✅ Es gibt ein Zugangssystem für einige ode ralle Mitgleider, z.B. Schlüssel oder elektronisch.
- ✅ Es gibt Öffnungszeiten für alle ohne eigenen Zugang.
- ✅ Technische Hürden der Kommunikation werden verringert und abgebaut.
- ✅ Räumliche Hürden werden verringert und abgebaut.
Vielfalt
Offen für Vielfalt
- ✅ Aktive Positionierung gegen Diskriminierung.
- Unsere Werkstatt ist ein sozialer Treffpunkt und die meisten von uns treten aktiv dafür ein, dass es ein Ort mit Wohlfühlcharakter bleibt. Dazu gehört es auch Streits zu schlichen und unsoziales Verhalten abzusprechen
- ⛔ Ein gemeinsamer Verhaltenskodex existiert oder wird erarbeitet.
- Wir haben aktuell keinen erarbeiteten Code of Conduct. Wir haben jedoch eine umfangreichere Nutzungsordnung und die FabLab Charta (Selbstverständnis), die um weitere Punkte ergänzt werden sollte
- ✅ Barrierefreiheit wird bestmöglich umgesetzt.
- Wir sind an den meisten Stellen barrierefrei, was den Zutrit für Rollstuhlfahrer betrifft und wir arbeiten daran, dass die Werkstatt gut begehbar wird und bleibt, also Wege frei bleiben und nicht zugebaut werden. Jedoch gibt es räumliche Gegebenheiten, die wir nicht ändern können. Diese beginnen schon am Zutritt zum Hofgelände selbst. Das Thema Inklusion haben wir seit 2025 in unseren gedanklichen Fundus aufgenommen und versuchen uns im praktischen Umgang.
- ⛔ Es gibt machtkritische Reflexionsräume.
- Nein, leider noch nicht
- ✅ Eine wertschätzende Fehlerkultur wird angestrebt.
- Wir versuchen den Begriff "Arbeit" im Alltag zu vermeiden und es locker zu sehen. Das fällt nicht immer leicht, jedoch ist vielen von uns klar, dass man zum Beispiel Professionalität von Leuten, die man nicht immer sieht und auch nicht schon Jahre kennt, nicht einfach so abverlangen kann und unterschiedliche Befähigungen und Auffassungen miteinander kompatibel halten muss, denn nichts und niemand ist perfekt. Wir unterscheiden zwischen Fehlern aus Versehen und Fehlern mit Absicht. Fehler werden in der Regel individuell oder in der Gruppe direkt angesprochen, je nach Aspekt und Schwere, und es wird zunächst erörtert, was und warum es passiert ist, gehen in den Dialog und geben Hinweise, wie man es in Zukunft besser machen kann (oder muss, wenn es z.B. um Verkehrssicherheit in der Werkstatt geht).
Solidarität
Offen für Menschen, die ökonomisch weniger gut aufgestellt sind.
- ✅ Es gibt ermäßigte Mitgliedsbeiträge.
- Ja. Diese sind im Mitgliedsantrag genauer beschrieben
- ✅ Es gibt ein Basisangebot an kostenlosen Veranstaltungen.
- ✅ Es gibt ein kostenloses Basisangebot von Werkzeugen.
- Ja. Wir haben etliche stromlose Handwerkzeuge und Tools, um z.B. Reparaturen durchführen zu können. Durch unsere lange Existenz haben wir ein sehr gutes Reportoir (Mitglieder-Login notwendig) aufbauen können
- ✅ Die Räumlichkeiten stehen prinzipiell auch anderen Gruppen offen.
- Ja. Auf Anfrage teilen wir unsere Räume gerne mit anderen Personen und Initiativen, z.B. für kleine Workshops und Meetings. Das Thema Kurzzeitvermietungen ist leider mit Stand vom März 2026 noch nicht mit dem Vermieter zufriedenstellend geklärt. Sofern jedoch ein Mitglied von uns Zeit hat, sind Events damit betreubar und möglich.
Mitglied werden? Wozu?
Mitglied werden? Wozu?
Es gibt viele gute Gründe, dem Stadtfabrikanten e.V. beizutreten!
- Lerne und lehre mit uns: teile Wissen, Erfindergeist, Erfahrungen und mehr
- Teile die Idee Offener Werkstätten in Chemnitz, Deutschland, Europa und werde damit Teil eines deutschlandweiten Interessennetzwerks: dem Verbund Offener Werkstätten (VOW) und VULCA.
- Werde Part einer aktiven Gemeinschaft: in unserem lokalen Anlaufpunkt "FabLab Chemnitz" (aka Offene Werkstatt, MakerSpace, FabLab), darüberhinaus unterwegs und digital
- Finde sozialen Austausch zu Gleichgesinnten im Verein und zu unseren Freunden und Partnern
- Erhalte Zugang zu Open Source Technologien
- Begeistere dein Umfeld mit deinen eigenen Ideen und Gedanken
- Entwickle mit uns und gestalte mit: Kurse, Werkstattbereiche, Prototypen, ...
- Stärke und begleite den Verein als Organisation (auch finanziell)
- Alleine machen ist gut. Zusammen machen ist besser.
- Bekomme Zugang zu Geräten und Maschinen, die du dir selbst nicht leisten kannst (z.B. aus Sinnhaftigkeits-, Platz- oder Geldgründen)
Typisches Vereinsleben. Des einen Vorteil ist möglicherweise des anderen Nachteil?
Typisches Vereinsleben. Des einen Vorteil ist möglicherweise des anderen Nachteil?
Aus den Erfahrungen der letzten 10 Jahre haben wir vieles gelernt bzw. Verhaltensmuster beobachtet, die Menschen erzeugen können. Hier ein heruntergebrochener Auszug:
- fehlende Kommunikation
- Ego-Trips & Eigenbrödlerei
- "Erst meins, dann meins, dann eventuell später deins"
- von introvertiert bis extroveriert ist viel dabei: nicht jeder Mensch ist mit jedem kompatibel
- die Werkstatt wird genutzt, aber nicht in Schuss gehalten
- es wird nicht ordentlich vorbereitet
- es wird nicht ordentlich aufgeräumt
- verursachten Kosten durch Verbrauch/Defekt werden auf die Allgemeinheit abgeladen, die Verantwortung von sich geschoben. Der Dialog startet häufig mit "Ich dachte, ..." oder mit "man müsste mal ..."
- Leute lenken anderen Leute stark ab: durch laute oder intensive Gespräche - mit Abschweifen und "vom Hundertstel ins Tausendstel", Monologe oder Tätigkeiten
- mancheiner drückt jemandem auch mal eine andere Meinung auf
- Werkzeuge und Dinge werden verlegt oder ohne Absprache ausgeliehen oder waren "auf einmal" kaputt
- es herrscht kreatives Chaos: das kann gut und schlecht sein
- unterschiedliche Skills, praktische Erfahrungen, körperliche Einschränkungen und Arbeitsweisen führen zu falschen Vorbildern, fatalen Nachahmsituationen oder Gefahrensituationen
- es gibt eine gewisse natürliche Intransparenz: nicht jeder kennt jeden. Deshalb wissen nicht alle, wer Gast und wer Mitglied ist
- unterschiedliche Wahrnehmung und Gewichtung von Themen im Verein: Pflichten und Konsequenzen sind unklar, Entscheidungen tun manchmal weh oder dauern ewig, weil sie entweder keiner treffen will, treffen kann oder das Gremium dafür erst zusammen kommen muss und die Wissensstände bzw. Standpunkte extrem unterschiedlich sind. Ein Vergleich zur regulären Businesswelt kann hier nur bedingt angestellt werden.
- für manche Themen gibt es auch nach vielen Jahren trotzdem keine Kompetenzpersonen, was häufig ein Problem sein kann
- Verantwortung übernehmen: wenige Leute machen zu viel, während viele Leute zu wenig machen: die anderen werden es schon für mich richten!
- Selbstüberschätzung: viel ja sagen und Versprechen abgeben, aber das Versprechen nicht halten können oder gar vergessen
- der Verein und seine Technik/Räume/Leute werden manchmal nur auf das schnell erkennbare Äußerliche reduziert:
- "Oh, ihr habt viel Equip und das kostet nur 22€ pro Monat? Ja wie cool, da kann ich ja richtig billig hier rumwerkeln (aber mich nicht integrieren)"
- der Verein wird als Ort angesehen, wo man seine Kinder parken kann und andere kümmern sich dann drum
- der Verein wird als Ort angesehen, wo man "mal schnell" was machen kann - ohne Rücksicht auf die anderen oder das zu Grunde liegende Regelwerk
- der Verein wird als Ort angesehen, wo "man schnell" was machen LASSEN kann (Dienstleistergedanke. Konsum statt Kompetenz)
- das Konzept des Vereins, die Satzungszwecke und das etablierte Netzwerk aus Partnern und Freunden werden nicht gesehen oder nicht verstanden