Offenheitsindex
Soziokultureller Ort. Vor- und Nachteile unseres FabLabs
Das FabLab Chemnitz ist ein soziokultureller Ort. Das bedeutet viel - vorallem ist es ein Mix aus jung / alt / arbeitslos / selbstständig / ahnungslos / passioniert / faul / professionell / studentisch / mehrsprachig / unterschiedlich gesund / mehrgeschlechtlich / unterschiedliche Religionen / diverse politische Auffassungen / verschiedene körperliche und geistige Verfassungen.
Die Aufgabe für jeden einzelnen bei uns ist wohl heruntergebrochen: Finde den richtigen Umgang! Nicht jeder kann dein Freund werden. Aber niemand muss dein Feind werden.
Was sind Offene Werkstätten?
Wir sind eine offene Werkstatt. Und das heißt, dass wir offen sein wollen. Aber was heißt das überhaupt?
Offene Werkstätten sind Orte des Handwerks, der computergesteuerten Fertigungsverfahren und digitalen Technologien, die du mitgestalten und -nutzen kannst. Sie alle eint die Idee, Wissen, Werkzeuge und Maschinen, Technik und Materialien zu teilen. Finde eine Werkstatt in deiner Nähe oder werde Mitglied im Verbund Offener Werkstätten! - Zitat von https://offene-werkstaetten.org/de
Orientierung am Offenheitsindex des VOW
Wir nutzen zur "Bestimmung" unser Offenheit den Leitfaden vom Vebund Offener Werkstätten e.V.
Unsere Reflexion zu den dort genannten Themen wurde zuletzt im März 2026 evaluiert:
Willkommenskultur
Offen für neue Mitglieder.
✅ Besucher:innen werden herumgeführt und betreut.
Ja. Besucher werden per Führung von langjährigen und auch teilweise neuen Mitgliedern durch die Werkstatt geführt und es wird erklärt, was es gibt, wen es gibt, was wir machen, wie das hier funktioniert (oder funktionieren müsste).
✅ Es gibt einfache Einstiegsangebote.
Ja. Es gibt die offene Werkstatt, wo man sich ausprobieren kann, sich Infos oder Beratung abholen kann. Wer etwas ausprobieren möchte braucht nur zu fragen und zu hoffen, dass gerade ein Ansprechpartner dafür da ist. Letzteres können und wollen wir nicht garantieren - immerhin sind wir im Ehrenamt unterwegs und nicht im Zwang dies für jemanden zu müssen. Wir haben auch verschiedene Veranstaltungsformate, wo man auf die eine oder andere Art mit dem FabLab in Verbindung kommt.
⛔ Es gibt regelmäßige Einweisungen in Maschinen und Werkzeuge.
Noch nicht - das ist eine ToDo!. Es gibt eine umfangreiche Checkliste mit erläuterndem Rundgang für neue Mitglieder, wie die Werkstatt grundsätzlich funktioniert. Auf Anfrage erklären wir jedoch im Zweiergespräch oder größeren Runden auch, wie komplexe Gerätschaften funktionieren und weisen ein. Es fehlt jedoch an regelmäßigen Einweisungen für spezielle Bereiche, Einzelmaschinen und Co.
✅ Abläufe und Aufgaben sind gut dokumentiert und ermöglichen das Mitmachen auch für Neumitglieder.
Ja. Wir haben einen Mitgliederbereich, der sehr viele Alltagsfragen versucht zu beantworten, indem dort viele Prozesse, Ideen und Lösungen dokumentiert sind. Die Frage ist jedoch immer auch, wie sehr sich Neumitglieder einbringen können bzw. wollen. Vieles ist niedergeschrieben, findet aber kaum Beachtung.
✅ Sprachliche Hürden werden gering gehalten.
Mehrsprachigkeit und einfache Sprache sind teilweise gegeben, aber nicht durchgängig umgesetzt. Hier fehlt es bei einzelnen Programmen an der grundsätzlichen Möglichkeit, sowie den Engagierten, die das mit tragen und umsetzen.
Beteiligung
Offen für ein Mitgestalten auf allen Ebenen.
✅ Mitglieder können die Institution gestalten und weiterentwickeln.
Ja. Wir haben einen Vorstand, bestehend aus ordentlichen und außerordentlichen Vorständen. Wer Verantwortung übernehmen kann und möchte, der kann sich zur Wahl aufstellen lassen. Mitglieder können eine Mitgliederversammlung anfragen, Ideen und Konzepte einbringen und sich z.B. auch über beantragte (Förder)projekte stark machen. Abläufe in der Werkstatt können verändert werden und sind nicht in Stein gemeißelt. Wir versuchen stets flexibel zu sein.
✅ Mitglieder können Strukturen und Bereiche aufbauen und gestalten.
Ja. Und das tun sie auch. Die meisten Werkstattbereiche haben 1-2 Kümmerer, die regelmäßig da sind und an den Werkstätten weiterschrauben, Geräte reparieren, Leuten helfen
✅ Mitglieder können Abläufe und Regeln beeinflussen und ändern.
Ja. Wir haben eine sehr flache Hierarchie, bestehend aus den Organen Vorstand und Mitgliederversammlung. Viele Dinge funktionieren auf Zuruf und schnell, andere Dinge langsam oder gar nicht. Das kommt auf die Komplexität, den Aufwand und ggf. auch auf Kosten an. Wir sind jedoch untereinander viel im Austausch über das, was uns bewegt oder stört, interessiert und vorran bringt.
✅ Mitglieder können ihr Wissen vermitteln und Einweisungen geben.
Ja. Insbesondere zur offenen Werkstatt klappt das wunderbar, weil es hier meist spontan und ungezwungen ist. Ein paar Mitglieder sind hierbei sehr aktiv. Allerdings braucht es noch deutlich mehr Leute, die ihr Wissen z.B. in Workshops weitervermitteln. Das kann intern oder öffentlich sein. Für viele Themen haben wir Ansprechpartner, die sich aber leider nicht trauen, selbst eine proaktive Rolle zu spielen und eine Veranstaltung zu organisieren oder einen Kurs anzuleiten.
Zugang zur Infrastruktur
Offener Zugang zu den Möglichkeiten
✅ Es gibt ein Zugangssystem für einige ode ralle Mitgleider, z.B. Schlüssel oder elektronisch.
Ja. Wir haben ein Nuki Zugangssystem. Jedes Mitglied kann per Antrag einen Zugang erhalten
✅ Es gibt Öffnungszeiten für alle ohne eigenen Zugang.
Ja. Jeden Mittwoch von 16 - 20 Uhr oder länger. Ansonsten teilweise nach Absprache, komplett spontan oder zu Veranstaltungen. Den Zugang erhalten bei uns nur eingewiesene Mitglieder, weil das eine grundsätzliche Vertrauens- und Versicherungsfragestellung ist, die sehr komplex ist. Zugang zur Werkstatt bedeutet auch viel Pflicht und Kenntnis über Abläufe: Türen zuschließen, Licht und Heizung aus, Geräte sauber hinterlassen, Brand- und Verletzungsgefahren vermeiden und so weiter.
✅ Technische Hürden der Kommunikation werden verringert und abgebaut.
Ja. Wir geben uns Mühe. Allerdings ist unsere Altersspanne so groß, dass der Umgang und das Hintergrundwissen mit Software extrem unterschiedlich ausgeprägt ist. Im Punkt der Kommunikation helfen wir in der Regel auf kurzem Weg aus, damit Chat Messenger oder Email bei jedem laufen, der es braucht.
✅ Räumliche Hürden werden verringert und abgebaut.
Ja. Wir sind im ständigen Austausch und Umsetzung, um unsere Räume zu optimieren, Zugänge zu schaffen, Sichtbarkeit und Beschriftung herzustellen und über die Grundproblematik Aufklärungsarbeit zu leisten, damit auch andere Leute Themen wie z.B. Inklusion, Köpergrößen und Barrierefreiheit auf dem Schirm haben. Es gilt die allgemeine Regel: "works for all" statt "works for me".
Vielfalt
Offen für Vielfalt
✅ Aktive Positionierung gegen Diskriminierung.
Unsere Werkstatt ist ein sozialer Treffpunkt und die meisten von uns treten aktiv dafür ein, dass es ein Ort mit Wohlfühlcharakter bleibt. Dazu gehört es auch Streits zu schlichen und unsoziales Verhalten abzusprechen
⛔ Ein gemeinsamer Verhaltenskodex existiert oder wird erarbeitet.
Wir haben aktuell keinen erarbeiteten Code of Conduct. Wir haben jedoch eine umfangreichere Nutzungsordnung und die FabLab Charta (Selbstverständnis), die um weitere Punkte ergänzt werden sollte
✅ Barrierefreiheit wird bestmöglich umgesetzt.
Wir sind an den meisten Stellen barrierefrei, was den Zutrit für Rollstuhlfahrer betrifft und wir arbeiten daran, dass die Werkstatt gut begehbar wird und bleibt, also Wege frei bleiben und nicht zugebaut werden. Jedoch gibt es räumliche Gegebenheiten, die wir nicht ändern können. Diese beginnen schon am Zutritt zum Hofgelände selbst. Das Thema Inklusion haben wir seit 2025 in unseren gedanklichen Fundus aufgenommen und versuchen uns im praktischen Umgang.
⛔ Es gibt machtkritische Reflexionsräume.
Nein, leider noch nicht
✅ Eine wertschätzende Fehlerkultur wird angestrebt.
Wir versuchen den Begriff "Arbeit" im Alltag zu vermeiden und es locker zu sehen. Das fällt nicht immer leicht, jedoch ist vielen von uns klar, dass man zum Beispiel Professionalität von Leuten, die man nicht immer sieht und auch nicht schon Jahre kennt, nicht einfach so abverlangen kann und unterschiedliche Befähigungen und Auffassungen miteinander kompatibel halten muss, denn nichts und niemand ist perfekt. Wir unterscheiden zwischen Fehlern aus Versehen und Fehlern mit Absicht. Fehler werden in der Regel individuell oder in der Gruppe direkt angesprochen, je nach Aspekt und Schwere, und es wird zunächst erörtert, was und warum es passiert ist, gehen in den Dialog und geben Hinweise, wie man es in Zukunft besser machen kann (oder muss, wenn es z.B. um Verkehrssicherheit in der Werkstatt geht).
Solidarität
Offen für Menschen, die ökonomisch weniger gut aufgestellt sind.
✅ Es gibt ermäßigte Mitgliedsbeiträge.
Ja. Diese sind im Mitgliedsantrag genauer beschrieben
✅ Es gibt ein Basisangebot an kostenlosen Veranstaltungen.
Ja. Wir sind regelmäßig vor Ort, im Stadtgebiet und außerhalb mit öffentlichen Angeboten unterwegs, um zu begeistern und/oder unseren Verein und die dahinter stehenden Werte zu vertreten. Details finden sich im Wesentlichen im Blog, im Kalender und auf Instagram.
✅ Es gibt ein kostenloses Basisangebot von Werkzeugen.
Ja. Wir haben etliche stromlose Handwerkzeuge und Tools, um z.B. Reparaturen durchführen zu können. Durch unsere lange Existenz haben wir ein sehr gutes Reportoir (Mitglieder-Login notwendig) aufbauen können
✅ Die Räumlichkeiten stehen prinzipiell auch anderen Gruppen offen.
Ja. Auf Anfrage teilen wir unsere Räume gerne mit anderen Personen und Initiativen, z.B. für kleine Workshops und Meetings. Das Thema Kurzzeitvermietungen ist leider mit Stand vom März 2026 noch nicht mit dem Vermieter zufriedenstellend geklärt. Sofern jedoch ein Mitglied von uns Zeit hat, sind Events damit betreubar und möglich.
Mitglied werden? Wozu?
Mitglied werden? Wozu?
Es gibt viele gute Gründe, dem Stadtfabrikanten e.V. beizutreten! Wir bieten eine Plattform für Selbstbetätigung. Dazu bieten wir Platz an einem gut angebundenen Standort (Räume, Möbel), Infrastruktur (Heizung, Wasser, Strom, Internet), Materielles (Werkzeuge, Maschinen, Verbrauchsmaterialien) und Immaterialies Gut (Ideen, Netzwerk, Austausch).
- Lerne und lehre mit uns: teile Wissen, Erfindergeist, Erfahrungen und mehr
- Teile die Idee Offener Werkstätten in Chemnitz, Deutschland, Europa und werde damit Teil eines deutschlandweiten Interessennetzwerks: dem Verbund Offener Werkstätten (VOW) und VULCA.
- Werde Part einer aktiven Gemeinschaft: in unserem lokalen Anlaufpunkt "FabLab Chemnitz" (aka Offene Werkstatt, MakerSpace, FabLab), darüberhinaus unterwegs und digital
- Finde sozialen Austausch zu Gleichgesinnten im Verein und zu unseren Freunden und Partnern
- Erhalte Zugang zu Open Source Technologien
- Begeistere dein Umfeld mit deinen eigenen Ideen und Gedanken
- Entwickle mit uns und gestalte mit: Kurse, Werkstattbereiche, Prototypen, ...
- Stärke und begleite den Verein als Organisation (auch finanziell)
- Alleine machen ist gut. Zusammen machen ist besser.
- Bekomme Zugang zu Geräten und Maschinen, die du dir selbst nicht leisten kannst (z.B. aus Sinnhaftigkeits-, Platz- oder Geldgründen)
Als Verein helfen wir anderen Vereinen und Institutionen und helfen uns gegenseitig aus.
Typisches Vereinsleben. Des einen Vorteil ist möglicherweise des anderen Nachteil?
Typisches Vereinsleben. Des einen Vorteil ist möglicherweise des anderen Nachteil?
Aus den Erfahrungen der letzten 10 Jahre haben wir vieles gelernt bzw. Verhaltensmuster beobachtet, die Menschen erzeugen können. Hier ein heruntergebrochener Auszug:
- fehlende Kommunikation
- Ego-Trips & Eigenbrödlerei
- "Erst meins, dann meins, dann eventuell später deins"
- von introvertiert bis extroveriert ist viel dabei: nicht jeder Mensch ist mit jedem kompatibel
- die Werkstatt wird genutzt, aber nicht in Schuss gehalten
- es wird nicht ordentlich vorbereitet
- es wird nicht ordentlich aufgeräumt
- verursachten Kosten durch Verbrauch/Defekt werden auf die Allgemeinheit abgeladen, die Verantwortung von sich geschoben. Der Dialog startet häufig mit "Ich dachte, ..." oder mit "man müsste mal ..."
- Leute lenken anderen Leute stark ab: durch laute oder intensive Gespräche - mit Abschweifen und "vom Hundertstel ins Tausendstel", Monologe oder Tätigkeiten
- mancheiner drückt jemandem auch mal eine andere Meinung auf
- Werkzeuge und Dinge werden verlegt oder ohne Absprache ausgeliehen oder waren "auf einmal" kaputt
- es herrscht kreatives Chaos: das kann gut und schlecht sein
- unterschiedliche Skills, praktische Erfahrungen, körperliche Einschränkungen und Arbeitsweisen führen zu falschen Vorbildern, fatalen Nachahmsituationen oder Gefahrensituationen
- es gibt eine gewisse natürliche Intransparenz: nicht jeder kennt jeden. Deshalb wissen nicht alle, wer Gast und wer Mitglied ist
- unterschiedliche Wahrnehmung und Gewichtung von Themen im Verein: Pflichten und Konsequenzen sind unklar, Entscheidungen tun manchmal weh oder dauern ewig, weil sie entweder keiner treffen will, treffen kann oder das Gremium dafür erst zusammen kommen muss und die Wissensstände bzw. Standpunkte extrem unterschiedlich sind. Ein Vergleich zur regulären Businesswelt kann hier nur bedingt angestellt werden.
- für manche Themen gibt es auch nach vielen Jahren trotzdem keine Kompetenzpersonen, was häufig ein Problem sein kann
- Verantwortung übernehmen: wenige Leute machen zu viel, während viele Leute zu wenig machen: die anderen werden es schon für mich richten!
- Selbstüberschätzung: viel ja sagen und Versprechen abgeben, aber das Versprechen nicht halten können oder gar vergessen
- der Verein und seine Technik/Räume/Leute werden manchmal nur auf das schnell erkennbare Äußerliche reduziert:
- "Oh, ihr habt viel Equip und das kostet nur 22€ pro Monat? Ja wie cool, da kann ich ja richtig billig hier rumwerkeln (aber mich nicht integrieren)"
- der Verein wird als Ort angesehen, wo man seine Kinder parken kann und andere kümmern sich dann drum
- der Verein wird als Ort angesehen, wo man "mal schnell" was machen kann - ohne Rücksicht auf die anderen oder das zu Grunde liegende Regelwerk
- der Verein wird als Ort angesehen, wo "man schnell" was machen LASSEN kann (Dienstleistergedanke. Konsum statt Kompetenz)
- das Konzept des Vereins, die Satzungszwecke und das etablierte Netzwerk aus Partnern und Freunden werden nicht gesehen oder nicht verstanden

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